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Inzwischen bei Hannes Krüger
28. March 2018

„1, 2, 3“, zählte Hannes murmelnd, während er seine Vorräte durchging. „Das gibt etwa noch eine Woche normal oder zwei Wochen sparsames Leben“, seufzte er. Er blickte in seiner Wohnung umher und musterte das Sturmgewehr von seinem Militärdienst. Tolles Gerät für diese Situation, wenn er denn auch Munition dazu gehabt hätte. Nun ja, immerhin konnte er das dazugehörige Bajonett vorne anbringen und so allfällige Problemquellen auf Abstand halten.

Aber der Rest sah weniger rosig aus. Kein fliessend Wasser, kein Strom. „Scheisse man“, fluchte er vor sich hin und ging auf und ab. ‚Wenn ich rausgehe, könnte ich sterben. Wenn ich hierbleibe, werde ich wenn’s gut geht einen Monat überleben. Und dann muss ich raus, völlig entkräftet und erschöpft.‘ Er blickte aus dem Fenster. Dieser Nebel. Dieser grauenhafte Nebel. Er zog die Luft scharf ein: „Na dann!“

Er machte sich auf Tour durch die Wohnung. Packte seinen Rucksack mit so viel Proviant wie möglich war. Er verfluchte den Moment, als er sein restliches Miltärzeugs abgegeben hatte. Er war eigentlich kein Freund dieses Apparats gewesen, aber jetzt … „Naja, nachher ist man immer schlauer, blablabla.“ Er verwarf die Hände und konzentrierte sich auf seine Möglichkeiten. Er zog seinen Fahrradhelm an und seine Knie-, Ellenbogen- sowie Handschoner von den Roller-Skates.  

Er sah etwas eigenwillig aus. Die Schoner drückten seine sonst eher locker sitzende Kleidung an den Körper. Die blaue Jeans verschwand in seinen Stiefeln. Seine Hoffnung war, dass die Lederjacke bissfest war. Er schluckte leer, als er vor seiner Wohnungstür stand. Er blickte durch den Spion. Todesschwärze. Er hatte keine Ahnung, ob jemand oder etwas im Treppenhaus war und es gab leider nur eine Möglichkeit das herauszufinden. Er zündete die Taschenlampe an, die er notdürftig ans Gewehr mit Gaffa Tape befestigt hatte. Behutsam öffnete er die Tür und leuchtete weit in den Gang hinein. Leer. „Hallo?“, rief er hinein, die Tür fest in der Hand und aufmerksam lauschend. ‚Hmm, scheint niemand da zu sein.“ Er schloss die Tür hinter sich ab. Eventuell würde er nochmal hier zurückkommen. Das Klimpern des Schlüsselbunds verfluchte er, doch es schien niemanden hier zu stören. Bedacht und leise ging er Schritt um Schritt bis zum Treppenhaus. Er blickte hoch, dann runter und dann zurück. Hielt kurz inne. ‚Soll ich die anderen Wohnungen noch durchsuchen oder direkt abhauen? – Nein, ich muss hier raus.‘ Sein Rucksack war bereits voll. Er brauchte nicht noch mehr Material, dass er schleppen musste.

Der Abgang zum Erdgeschoss verlief überraschend problemlos. Der Wind zog an ihm vorbei. Er erkannte schnell, dass die Eingangstür eingeschlagen worden war. Er schaltete die Taschenlampe wieder aus. Vorsichtig stieg er durch das Loch nach draussen und blickte sich um, als er plötzlich einen Hubschrauber hörte. Tatsache, dort schräg über ihm zog gerade ein schwarz glänzender Hubschrauber vorbei. Sah aus, als würde dieser etwas transportieren. ‚Fuck it‘, dachte er sich und zog schnell seine Rollerblades an, die bis anhin seitlich am Rucksack hingen. Er verfolgte das Flugobjekt solange er konnte mit den Augen und hoffte dann auf sein Gehör. Er preschte voran durch die leeren Strassen in der Hoffnung, dass er wieder anderen Menschen begegnen würde.

edited on 28.03.2018, 12:14 by Ashielf
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Walked paths

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Hannes jagt den Helikopter22. May 2018

Hannes legte auf seinen Skates ein ordentliches Tempo hin, mit dem Hubschrauber konnte er trotzdem nicht mithalten. Viel schlimmer war jedoch etwas anderes.

In seinem Eifer hatte er…

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