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[2.1]
14. July 2018

Es war mittlerweile feucht und kalt geworden und der Stadtlauf fand lediglich im Frühjahr statt, trotzdem sollte das Renntraining über die frostige Jahreszeit hinweg nicht einfach eingestellt werden. Die Gefahr, aus der Form zu geraten, war durchwegs gegenwärtig, auch wenn vier Meilen nicht unbedingt ein schwierig überwindbares Hindernis darstellten. Aber womöglich konnte durch das weitergeführte Training eine noch bessere Form erreicht werden, wodurch sich die Position anbieten würde, beim längeren und anspruchsvolleren Lauf anzutreten.
Mit einer angepassten und nach den Temperaturen ausgerichteten Ausrüstung konnte jedem Klima getrotzt werden und auch das Schuhwerk arbeitete sich unermüdlich durch das aus den Kronen gepustete Laub, das sich ausgewaschen auf dem Boden bettete.
Die Gruppe des Renntrainings joggte in Reih und Glied den Gehweg am Flussufer entlang, an der Sportanlage vorbei und auf die Höhe des Tierparkes auf der anderen Seite zu, wo sie wie jede Woche die Brücke passieren sollte, um drüben die Strecke in die entgegengesetzte Richtung nochmals zurückzulegen und so den Kreis zu schliessen.
Bevor zwei Frauen aus ihrer Gruppe die Brücke jedoch passierten, erhaschte die eine von ihnen einen jungen Mann im Blickwinkel, wodurch sie für einen Moment innehielt, und die andere schloss sich automatisch ihrer vermeintlichen Atempause an, wobei sie ihrem Blick folgte.
Auf dem Parkplatz der Sportanlage standen zwei Fahrzeuge, aber keines der beiden schien dem Mann zu gehören, wie sich darstellte, als er ihnen in ziellosem Taumel keine Beachtung schenkte. Auf dem Weg, der jenen der beiden Frauen kreuzte, stoppte er, letztlich aber drehte er in die sich entfernende Allee ab, weshalb sie es beide beim Eindruck beliessen, dass sein Gang zwar nicht ganz sicher wirkte, dies aus der Distanz aber nicht überstürzt festgestellt werden durfte. Die anderen der Trainingsgruppe riefen sowieso schon nach ihnen. Sie joggten unbekümmert weiter und passierten endlich die Brücke.
Der Mann schritt hügelan zwischen den nacktgeblasenen Bäumen. Die Kunstlederjacke hatte er bloss über den rechten Ärmel gezogen, zur Hälfte hing sie ihm am Rücken. Das Porte-Monnaie hatte er sogar im Treppenhaus der Sporthallen liegengelassen. Die linke Hand klammerte sich in den erschütterten Gesichtszügen fest. Die Finger pflügten aufwärts und durch die bisher unbesiegte Front der blonden Steppen und stürzten das wallende Fort in wilder Manie. Es war ein innerer Krieg, den er kämpfte, eine Schlacht, die ihn seine ganze Kraft kostete, was sich darin offenbarte, dass seine Hand keinen festen Halt zu finden vermochte, dies jedoch nicht aufgrund der Tatsache, dass er erschreckend offensichtlich von Zitterschüben durchfahren wurde, sondern weil sie immer und immer wieder von Schweiss ertränkt wurde. Doch er setzte stetig neu an, um einzutauchen in seine Fassungslosigkeit.
Unbemerkt erreichte er die Strasse, stolperte weiter. Rechtzeitig aber wurde er erhascht, der sich rasant nähernde Autofahrer rammte seinen Fuss auf das Bremspedal, fluchte und tobte im quietschenden Bremsmanöver. Und setzte an dem gedankenlosen Spaziergänger an. Dieser, noch bevor die Fahrertür wutentbrannt aufgeworfen wurde, ging mit sich verdrehendem Blick zu Boden.

edited on 14.07.2018, 1:29 by Der Herr Koi
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Walked paths
[2.2]21. July 2018

Als sich die Welt wieder einrenkte, wurde ihm weiss vor Augen. Nach einem schier endlos scheinenden Marsch durch den Tunnel seiner Bewusstlosigkeit fand er sich geblendet durch die sich…

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