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Einer unter vielen
01. August 2018

Sebastian traf wiedermal vor allen anderen in seinem Labor in Zürich ein. Als Leiter dieser Einrichtung wollte er als Vorbild voraus gehen. Ausserdem war das Zentrum weiter gewachsen und inzwischen erhielten sie Anfragen für Interviews und Kollaborationen am laufenden Band. Da musste er doch die Übersicht behalten.

Als er in seinem digitalen Kalender die Termine für den Tag durchging, fiel ihm eine Sitzung auf, die für heute Abend eingetragen war. Oder besser gesagt, ihm eingetragen wurde. Es war ein als „Privat“ gekennzeichneter Termin, den nur er einsehen konnte:

Betreff: Internationale Beratungs-Funktion; Ort: Clouds, Prime Tower

Sebastian verstand nicht recht. Dieser Termin war von keiner Person verschickt worden. Der Eintrag war so erfasst, als hätte er ihn selbst hinterlegt. Er ging die wenigen Informationen durch und fragte sich, wer Schmidt war.
Unser Forscher brütete noch den ganzen Tag über diese seltsame Einladung, Entschied sich schlussendlich aber dafür, sie wahrzunehmen. Der Treffpunkt war immerhin ein öffentliches Restaurant und die Aussicht von der Spitze des Prime Towers war nicht zu verachten.

 

Der Lift fuhr schnell. Es war schliesslich auch ein weiter Weg hoch in den 35. Stock des Prime Towers, wo sich das Clouds befand. Sebastian öffnete den obersten Knopf von seinem Hemd, worauf man etwas von seinem weissen Unterhemd erkennen konnte. Es war ihm schon etwas bang. Unten am Empfang hatte man ihn nach dem Namen der Reservation gefragt, bevor man ihn überhaupt in den Lift gelassen hatte. Jetzt im Lift realisierte er, dass dieser ominöse Schmidt wohl das ganze lokal reserviert haben musste. Soviel also zur Öffentlichkeit.
Mit einem Ping wurde Sebastian aus seinen Gedanken gerissen. Vor ihm stand bereits ein Kellner: „Herr Berger? Herzlich Willkommen im Clouds. Folgen Sie mir bitte.“ Er nickte und tat wie geheissen. Die Einrichtung war edel. Verschiedenste hochwertige Materialien flossen ineinander und ergaben dieses Gesamtbild eines wirklich noblen Etablissements. Die Aussenwände waren allesamt verglast, vom Boden bis zur Decke. Die Sonne war bereits untergangen und so konnte man nun die Aussicht auf das künstliche Lichtermeer der Stadt geniessen. Sebastian wurde vom Kellner an den einzigen Tisch geführt, der besetzt war. Ein Mann mittleren Alters sass dort. Kurze, schwarze Haare. Leicht gebräunte Haut. Schwarzer Anzug mit dunkelblauer Fliege.

Er stand sofort auf und reichte die Hand: „Herr Berger! Schön, dass Sie es sich einrichten konnte. Schmidt mein Name. Bitte, machen Sie es sich bequem.“ Mit einem aufgesetzten Lächeln erwiderte Sebastian die Geste und liess sich dann wortlos auf der gegenüberliegenden Seite des Tischs nieder. Nachdem der Kellner die Bestellung für Getränke aufgenommen hatte, konnte sich Sebastian nicht mehr zurückhalten. „Wie haben Sie sich Zugriff auf meinen Kalender verschafft? Was ist das Ziel dieses Termins? Wer genau sind Sie?“, fragte Sebastian frei heraus, hielt kurz inne und fügte an, „Beantwortung in umgekehrter Reihenfolge, bitte.“

Schmidt, oder wie sein echter Name auch immer war, lachte herzlich. „Gut, kommen wir zum Punkt. Dafür sind wir beide hier“, begann er in einem kollegial-freundlichen Ton, „Meinen Namen kennen sie bereits. Ich bin ein Vertreter für diverse Regierungsbehörden. Mein Ziel ist es Berater für Fragen zu Dunkler Energie zu gewinnen. Und Zugriff zu Ihrem Kalender kann jeder erhalten, der zwei Abend-Workshops in Hacking absolviert hat.“ Mit einem Lächeln auf den Lippen liess er diese Informationen sacken. Gerade als Sebastian antworten wollte, brachte der Kellner die Getränke. Einen Long-Island Eistee für Schmidt und ein Glas stilles Wasser für Sebastian. „Haben die Herren schon gewählt?“ Herr Schmidt hob Einhalt gebietend die Hand: „Geben Sie uns noch eine halbe Stunde.“ – „Sehr wohl“, war die Antwort und der Raum gehörte wieder den beiden Männern. Nachdem der Kellner weg war, hatte sich Sebastian genug gefangen, um koordiniert und ruhig zu fragen: „Ich brauche etwas mehr Informationen: Welche Regierungsbehörden? Sind sie vom Schweizer Nachrichtendienst? Haben Sie auch einen Ausweis? Ich kann zwar ganz offensichtlich sehen, dass Sie über einen gewissen Einfluss und ein Budget verfügen, aber allein das lässt mich nicht alles von Ihren Lippen als Wahrheit einstufen.“ In Gedanken fragte Sebastian sich weiter: ‚Wer würde für einen dummen Witz eines der teuersten Restaurants in Zürich ausbuchen?‘

Aus seiner Aktentasche zog Schmidt einige Dokumente und reichte diese Sebastian. Skeptisch nahm er die Papiere entgegen und überflog sie. Er hatte noch nie so viele offizielle Siegel und Embleme auf einem Haufen gesehen. War das alles echt? Er hatte wohl keine Wahl, als darauf einzugehen. Schmidts Rolle als Vertreter wurde von mehreren Ländern, darunter Amerika, England, Deutschland und natürlich auch die Schweiz gestützt. Die Dokumente waren aber auch so vage geschrieben, als würden sie vor Gericht nicht als Beweise durchgehen. Mit einem verzogenen Mundwinkel gab er die Sammlung an Überzeugungsmaterial zurück. „Ich erwarte nicht, dass Sie mir sofort alles glauben, Herr Berger“, meinte Schmidt, während er die Dokumente wieder fein säuberlich versorgte. „Und für vieles, das ich Ihnen noch näher bringen will, sind unzählige Verschwiegenheitserklärungen notwendig. Ich schlage vor, dass wir nun etwas Essen und ich Ihnen die Ausgangslage erkläre.“ Sebastian nickte und versuchte auch nur irgendwelche Hinweise aus der Mimik seines Gegenübers herauszulesen.

 

Dieses Treffen war das Erste von vielen gewesen. Was für Sebastian selbst nur eine Vermutung blieb, war diesen Regierungsorganisationen schon längst klar. Es gab auf der ganzen Welt Menschen mit besonderen Fähigkeiten, die sich der Macht der Dunklen Energie bedienen konnten. Und es bestand Gefahr, dass diese Dunkle Energie Individuen (DEI) ihre Fähigkeiten für eigennützige oder gefährliche Zwecke verwenden könnten. Sebastian wurde Stück für Stück mit in diese verstrickte Welt als Koryphäe seines Gebiets, als Berater beigezogen. Erst nachdem er seine Verschwiegenheit bewiesen und verschiedenste Vertraulichkeitserklärungen unterschrieben hatte, wurde er komplett eingeweiht. Sebastian schluckte leer ab dieser internationalen Bewusstheit für diese Fähigkeiten. Er selber war schliesslich ein DEI; eine Gefahr der allgemeinen Öffentlichkeit, so die Sicht von Herr Schmidt und seinen Auftraggebern. Trotzdem, oder genau deswegen, liess sich Sebastian einbinden. Er wollte wissen, was diese Organisationen im Schilde führten.

Er half, wo er konnte und hatte durch Schmidt Kontakt zu verschiedensten hellen Köpfen der ganzen Welt.

edited on 01.08.2018, 10:18 by Ashielf
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