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[5.1]
18. August 2018

Der Kommissar richtete sich vom Rednerpult auf und trat an die vorderste Reihe seiner Zuschauerschaft, aus deren Ruhe vor dem Sturm sich die interessierten Blicke allesamt um einen einzigen Mittelpunkt drehten, als dieser sich in aller Augen Beschwörung aus der festsetzenden Erregung erhob.
„Wie ist Ihr Name, junger Mann?“ - „Arcano, Herr Kommissar, mein Name lautet Arcano“, antwortete er und als er fortfuhr und seine wohlbedachten Überlegungen treffend gestikulierend unterstrich, schien er Feuer und Flamme zu sein für sein Vorhaben, Folant durch die gewaltigen Fussspuren in die Aufmerksamkeit der Studentinnen und Studenten zu folgen, „Ich halte die Suche nach Vergebung für naheliegender als den Versuch, sich durch den eigenen Bruder ermorden zu lassen, um einem garantierten staatlichen Urteil zu entkommen.“
„Ich stimme Ihnen zu“, hob er Auge in Auge mit dem Kommissar hervor, „Der Täter wird damit gerechnet haben müssen, nicht auf Verständnis zu stossen. Dafür hätte er seinen Bruder jedoch - wie von Ihnen bestätigt - kennen müssen. Das hätte aber ebenso richtig zu bedeuten, dass er damit hätte gerechnet haben müssen, dass sein Bruder sich auf Basis der eigenen Schuld aus dem dann getätigten Todesurteil selbst ermordet. Aus diesem Grund schliesse ich aus, dass a) sich die beiden Männer grossartig miteinander auseinandergesetzt haben und dementsprechend b) es die Absicht des Täters gewesen ist, sich von seinem Bruder töten zu lassen.“
„Worauf willst du hinaus?“, wunderte sich seine Freundin neben ihm nervös flüsternd, „Nach dem Geständnis wird sicher zuerst eine ellenlange Diskussion losgetreten worden sein, bevor frei von allem Verstand der erste Schuss gefallen ist. Da wird kaum Absicht und mehr Emotion eine Rolle gespielt haben, meinst du nicht?!“
Er war anderer Meinung. Er war der Meinung, dass das einzige sichere Ufer für den Täter die Wurzeln gewesen waren. Der Täter war allein aufgrund des gemeinsamen Startpunktes davon ausgegangen, dass ein gemeinsamer Ausweg aus der Angelegenheit eine Option gewesen war. Sie waren unmöglich gleichermassen Sturm und Wetter ausgesetzt gewesen. Sie hatten unterschiedliche Entscheidungen für das Leben getroffen. Sie waren durch und durch unterschiedlich verzweigt. Und sie hatten sich nicht gekannt.
„Herr Arcano“, wurde er in seiner ermannten Überzeugung von Folant konfrontiert, der ihn anblitzte, ohne sich gierig auf die Meinung zu stürzen, sondern vielmehr aufmerksam zuzuhören, „Das ist Ihre Schlussfolgerung?“ - „Nicht ganz, nein“, entgegnete er ohne zu zögern. Denn kein Zögern war jemals weit geschritten. „Das ist die einzige Option.“ - „Die einzige Option?“ - „Sie haben sich gegenseitig das Leben zerstört. Sie können sich unmöglich nahegestanden haben. Es würde mir sogar weitaus brüderlicher erscheinen, wenn sie die Taten zusammen begangen hätten. Dann würde es Sinn ergeben, dass sie sich nach Entdeckung von ebendiesen selbst getötet haben. Sie hätten sich bewusst getötet und wären einander bis in das Ende hinein beigestanden.“
Kommissar Folant legte sich den Zeigefinger über die Oberlippe und strich mit dem Daumen achtsam am Kinn vorüber.
„Herr Arcano, Sie sagen, dass der Täter nicht die Absicht gehabt haben kann, das Leben seines Bruders zu zerstören. Ist es somit für Sie undenkbar, dass dem Täter das Leben seines Bruders egal gewesen ist, obschon sie einzig von ihrer Herkunft verbunden worden sind?“ - „Entweder das“, führte der junge Mann aus, „Oder aber es hat sich nicht um Brüder gehandelt.“

edited on 18.08.2018, 10:22 by Der Herr Koi
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[5.2]25. August 2018

Die Köpfe um Arcano wogten infolge der sich ausbreitenden Verwirrung in überschaubarem Raunen.
„Um Sie zu zitieren, Herr Kommissar: Offensichtlich ist auch ein Monster dazu fähig, sich auf…

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