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[5.2]
25. August 2018

Die Köpfe um Arcano wogten infolge der sich ausbreitenden Verwirrung in überschaubarem Raunen.
„Um Sie zu zitieren, Herr Kommissar: Offensichtlich ist auch ein Monster dazu fähig, sich auf seine Wurzeln zu besinnen. Ja, es ist ein Monster gewesen, aber es ist ein Bruder gewesen und ein Bruder verleugnet seine Wurzeln trotz Widrigkeiten nicht. Brüder helfen einander. Ein staatliches Urteil hätte das Ende ihrer Wege verhindert. Ich kann unmöglich nachvollziehen, dass ein Bruder den anderen tötet. Auch wenn dein Bruder ein Monster ist, du bist noch immer der Bruder dieses Monsters! Es hat einfach einen anderen Weg erwählt als du! Anstatt seinen Weg zu beenden, solltest du erkennen, wie es gewesen ist und was falsch gelaufen ist, um den Weg in die richtige Richtung auszurichten! Nur weil ein gehbehinderter Kranker nicht so gut laufen kann wie du, stellst du ihm kein Bein, du hilfst ihm weiter, vor allem wenn es sich um deinen Bruder handelt!“
Er hatte sich aus seiner Bestimmtheit ein gutes Stückchen in Rage gesprochen und in Anbetracht seines letzten Vergleiches schien in den Köpfen rund um ihm herum Ungläubigkeit aufzuschlagen, er meinte auch, ein fernes Kichern zu vernehmen, während neben ihm seine Freundin peinlich berührt seinen ehemaligen Bunkerbau hinter den bloss noch halbwegs abgewandten Rücken beanspruchte.
Kommissar Folant hingegen liess sich nicht beirren. Er bemühte sich, fortan ihm zu folgen.
„Wie gestaltet es sich denn umgekehrt, Herr Arcano?“, spannte er den Faden ohne Unterlass weiter, „Wie unterstützt ein Monster seinen Bruder? Nicht etwa indem er dafür sorgt, nicht erst falsch zu verzweigen?“ - „Entschuldigen Sie, Herr Kommissar, ich will Ihnen keine Aussage in den Mund legen, aber wie unterstützt ein Kranker seinen Bruder? Indem er dafür sorgt, nicht erst krank zu werden?“ Entsetzt wurde er aus der Unruhe seiner Mitstudentinnen und Mitstudenten vollends aufgenommen, als hätte er sich soeben über den an der Universität beliebten Redner lustig gemacht, während Folant ihn im Auge behielt.
„Die Frage darf nicht sein, was man füreinander nicht getan hat“, festigte sich der Widerstand gegen die allgemein einbrechende Wandergemeinschaft durch die Ausführungen eines einzelnen Jüngers, „Die Frage hat zu sein, was man hier und jetzt füreinander tun kann, um zukünftig nicht abermals zur falschen Frage zu tendieren!“
„Was ist also Ihre Antwort, Herr Arcano?“, rief Folant ihm in Erinnerung, dass er noch eine Frage zu beantworten hatte.
„Ein Kranker hilft seinem Bruder, indem er verhindert, dass sein Bruder beim eigenen Fall mitfällt. Dass sein Bruder bei der Unterstützung des Kranken nicht den eigenen Stand vernachlässigt. Zusammengefasst verlangt ein Bruder immerzu danach, dass sein Bruder unbeschwert seinen Weg weitergehen kann.“
Der Kommissar beobachtete im Studenten die Wiederkehr einer inneren Ausgeglichenheit. Offensichtlich hatte er es geschafft, aus sich zu ringen, was er hatte sagen wollen. Auch die Unrast im Publikum wurde zusehends weniger. Ein wunderliches Phänomen, aber ansteckend waren wohlgemerkt nicht allein Krankheiten.
„Haben Sie einen Bruder, Herr Arcano?“, erfragte er sich, dass es sich tatsächlich um einen Bruder handelte, „Stellen Sie sich vor, ihr Bruder wäre krank. Es wäre für Sie selbstverständlich, ihm zu helfen, ganz unbedeutend wie die Jahreszeiten ihn geformt haben?“ - „Absolut“, bestätigte er erleichtert aufatmend und bezeugt von einem aufgehenden Lächeln seiner Freundin, denn dieser Mann hatte ihm folgen können, „Glücklicherweise ist mein Bruder nicht krank. Trotzdem... so lange es in meiner Macht steht, so lange werde ich für meinen Bruder da sein, um seinen Weg zu unterstützen.“

edited on 25.08.2018, 16:38 by Der Herr Koi
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[6.1]29. August 2018

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