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02 - 02
30. November 2018

„Ich habe Helena einen Brief geschrieben“, erzählte Yukon seinem treuen Freund, der sich beim Tamburin unter die schwarze Tanne gebettet hatte und ohne Drohgebärden den zahlreichen Worten seines Gastes lauschte. Dieser lehnte sich in das aufgebauschte Silberfell, das insbesondere um den Hals ein aussergewöhnliches Volumen besass.
„Ich habe Helena in einem Brief von meinem unstillbaren Hunger berichtet“, führte er aus, „Ich habe ihr von allem berichtet, was ich in mich gefressen habe. Ich habe ihr meine Geschichte erzählt. Ich habe sie geordnet niederschreiben müssen, um selber Ordnung zu finden. Obschon ich es hätte damals tun müssen, habe ich ihr in diesem Brief mein Herz geöffnet. Ich verstehe schon, Garm, auch wenn ich nach ihr hungere, ich will mit diesem Brief nicht nach ihr greifen. Ich habe ihn für mich selbst geschrieben.“
Garm knurrte etwas unverständliches vor sich hin und bleckte im Mundwinkel seine Zähne, während er sich zurechtrückte und den angesetzten Schnee von sich stürzte. Yukon wurde dadurch im Fell sachte auf- und beiseite- und wieder zurückgeworfen, ehe er sich amüsiert ebenfalls zurechtrückte.
„Ich will zuversichtlich sein, dass ich aus meinem Kreislauf erfolgreich zu einem anständigen Leben gelangen kann“, fuhr er fort, „Ich brauche mich letztlich nur neu auszurichten, glaube ich. Diesbezüglich habe ich letzte Nacht einmal mehr einen Traum gehabt, höchstwahrscheinlich abermals von ihr. Ich kann mich an nichts weiter als an eine Zahl erinnern, wobei ich davon überzeugt bin, dass es ein Datum ist. Es ist noch zwei Monate entfernt, aber womöglich handelt es sich um die Wegrichtung, die ich mir wünsche.“
Er kehrte sich zum in den Schnee gesenkten Wolfshaupt und streckte seine Arme in innigem Vertrauen um seinen Freund, aufzeigend: „Ich erwarte keine Antwort auf den Brief, wie gesagt, ich habe ihn für mich geschrieben, um mich zu ordnen. Aber eine Antwort wäre doch eine Entwicklung, die mir helfen kann. Helena kann mir helfen. Ich fürchte mich natürlich vor einer Begegnung, vor einer direkten Konfrontation mit der Vergangenheit, aber eine Konversation auf Augenhöhe wäre doch das Ende, das diese Bekanntschaft verdient hätte. Ich will von ihr in neue kalte Wasser gestürzt werden, damit ich zu neuen Strömungen gelangen kann!“
Wie unheimlich es doch sogar für ihn war, von Überzeugung beflügelt der Zukunft entgegenzublicken! Wie unheimlich und wunderlich schön.
Er liess sich neben dem aufmerksamen Wolfshaupt nieder und unterstrich: „Der 11. Mai wird richtungsweisend sein, ich kann offen daran glauben, dass ich an diesem Tag ihre Antwort erhalten werde oder dass ich ihr an diesem Tag begegnen werde!“
Das Ende war nah.

edited on 30.11.2018, 12:43 by Der Herr Koi
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03 - Skoll06. December 2018

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