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04 - Hati
20. Dezember 2018

Als Yukon Simms aus vagen Bildern der Gegenwart absackte, flimmerte ihm das eröffnende Zeichen des Traumes von hinter seinen Augen auf. Verzweifelt streckte er seine Hand nach den an seinen Lidern brandenden Wassern, um sich zu ergründen. Frauenfinger enthoben sich dem Spiegel, sie nahmen ihn an die Hand und gemeinsam tanzten Yukon und Helena über das Parkett des Wirtshauses. Der melodiöse Taktgeber führte die Beine des Brust an Brust tanzenden Zweigespannes durch die Zeitlosigkeit des Weltalters und die gleichfalls tanzenden Kameradinnen und Kameraden verschwammen im gedeihenden Gefühl der Glückseligkeit.
Er hatte sie schon vor über einem ganzen Jahr in die Augen gefasst, obschon die Allmacht, die sie mit ihrer Präsenz auf ihn auszuüben fähig war, in keinen Rahmen passte, der jemals von fachmännischer Kraft auch nur erdacht worden war. Wenn sie sich im selben Raum wie er aufhielt, überstrahlte sie nicht allein ihre Umgebung, nein, sie strahlte sogar bis in seine Untiefe, wo er allzu oft um Atem rang. In ihrer Präsenz wurde ihm wohlig warm. Ihr Lächeln war seine Sonne.
Unglücklicherweise hatte sich Yukon bisher wie ein dummer Tölpel benommen. Helena war ihm zu keinem Zeitpunkt ein Licht am Ende des Tunnels gewesen, er hatte ihre einnehmende Präsenz als für seinen versunkenen Stand unerreichbares Gestirn erachtet. Aus diesem Grund war er niemals aufgeschwommen, um über die Ufer zu treten und Land zu gewinnen. Er hatte sich sein Glück lediglich erträumt und ihr mit ganzem Herzen alles Glück auf dieser Erde gewünscht. Er hatte zwar nach dem gemeinsamen Glück gehungert, diesen endlosen Hunger aber nur in sich gefressen. Bisher.
„Ich liebe dich.“
Errötend schaute sie zu ihm auf. Schaute sofort wieder weg, als sich ihre Blicke mit den seinen zu verknoten drohten. „Helena...“, fiel es ihm von den gebrochenen Lippen, aus denen die drei Zauberworte seiner aufkommenden Meinung nach viel zu unbedacht hervorgeplätschert waren.
Die Finger lösten sich voneinander und ein Winter, wie er ihn noch niemals zuvor kennengelernt hatte, krallte sich sein Herz, als sie durch die Leute davoneilte und ihn erfroren und allein zurückliess.

„Hast du das ernst gemeint, Yukon?“, erkundigte sie sich später, als sie sich mit ihm in den leeren Flur zurückgezogen hatte. „Ja, das habe ich ernst gemeint“, bestätigte er aus versunkenen Augen. Sie hielt kurz inne, ehe sie sich überwand und zu ihm aufschauend gestand: „Es tut mir leid, aber ich habe keine Gefühle für dich.“ - „Das ist in Ordnung“, antwortete er, „Danke, dass du meinen Gefühlen in diesem Rahmen begegnest.“
„Bitte lächle wieder“, bat sie ihn unsicher; sie wollte die freundschaftliche Beziehung zu ihm nicht verlieren, betrübt musste sie aber feststellen, dass sie ihn nicht erreichte. Mit den Augen in unterschiedlichen Sphären kehrten sie an die Bar zurück, wo sie von ihren Leuten schon erwartet wurden. 
Sie hatten sich getroffen, um die schweisstreibende Woche grosszügig ausklingen zu lassen, und wie angedacht ging das gesellige Beisammensein weiter, wobei Yukon im Spiegel seines Drinks ertrank. Er wusste nicht, wohin er mit seinen Gefühlen ziehen sollte. Ihre Grenzen konnten und durften nicht überschritten werden. Es gab keinen Ausweg für sie. Es gab keinen Weg ausser jenen nach innen. Ein Strudel von gegen ihn in den Krieg ziehenden Emotionen formierte sich und er hatte einzig seine Drinks, um seinen Hunger zu stillen. Die Hoffnung, dadurch zu Erfüllung zu gelangen, war zu identischen Teilen gross sowie infantil.

bearbeitet am 20.12.2018, 13:29 von Der Herr Koi
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Beschrittene Pfade
04 - 0227. Dezember 2018

Grölend beugte sich Yukon über die Tresen, er lachte ihnen in die Gesichter und Helena am anderen Ende beobachtete ihn besorgt. Er verlor alle Hemmungen und die Emotionen, die sich in ihm…

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