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04 - 02
27. December 2018

Grölend beugte sich Yukon über die Tresen, er lachte ihnen in die Gesichter und Helena am anderen Ende beobachtete ihn besorgt. Er verlor alle Hemmungen und die Emotionen, die sich in ihm verklumpt hatten, quollen ohne Sinn und Verstand durch seine bröckelnde Maske hervor. Wie im vergeblichen Versuch, sich selbst davon zu überzeugen, dass er Helena nicht benötigte, um zu leben, jubilierte er darüber, was er besass, wodurch er abschweifte und darüber zu sinnieren begann, wie einsam er war, dadurch wiederum begann er, lautstark zu deklarieren, wie sehr er Helena liebte. Während er weit hinter seiner Stirn um Hilfe flehte, wurde vereinzelt gelacht, sogar unterstrichen, was für ein Liebesbekenntnis seine Worte doch wären, dieser Meinung war er jedoch überhaupt nicht und die Mehrheit schlug in die gleiche Kerbe, ihn dazu aufrufend, sein erbärmliches Gehabe einzustellen. Doch er machte weiter. Und als er aufblickte und bereits zerfressen war von Beschämung und Elend, entdeckte er Helena's zerpflügtes Angesicht. Getroffen von seiner Handhabung ihrer respektvollen Ablehnung ging sie in der Nacht ihrer schmerzlichen Enttäuschung unter. Ihr Lächeln war gebrochen.

Als die Nachtruhe einkehrte, wand er sich in seinem Zimmer zerweint auf dem Fussboden, ehe er eine Entscheidung traf. Er hatte die Ereignisse höchstpersönlich zu verantworten und er wusste, dass er nicht vergessen konnte. Sich nicht vergeben konnte. Er hatte zerstört, was ihm am wertvollsten gewesen war, und Gefühle verletzt, die zwar nicht ihm gelten konnten, die er aber gleichwohl hatte wertschätzen wollen.
Er konnte Helena unmöglich vergessen, aber wie sehr sie ihn auch hatte aufleben lassen, die Erinnerung konnte ihn bloss zugrunde richten. Es gab nichts mehr, wofür es sich je wieder zu leben lohnen würde. Tot. Er fühlte sich tot.
Die Entscheidung entführte ihn schnurstracks in die stürmische Landschaft um Lutie. Wie ein auf Grund laufendes Schiff kannte das Wrack seines Herzens nur eine einzige Richtung und aus den Tannenwäldern heulte der verheissende Gesang der Wölfe. Eine der Stimmen thronte über den anderen und diesem erhofften Fingerzeig gedachte er zu folgen. Diese Stimme. Als malträtierendes Donnerrauschen zerfleischte sie ausgehend von den krönenden Hügelzinnen die fern der Girlanden zu neuem Leben angebauschten Sternenkreise. Vor ihr war auf die Knie zu fallen und Yukon konnte den Zeitpunkt, zu dem seine Knie gegen die zugefrorene Erde fallen sollten, kaum erwarten. Im schlimmen Schneegestöber folgte die vertraute Müdigkeit ihm nach und es war klar: Lider hatten zu Tale zu gehen. 
Die Wölfe stellten eine Bedrohung dar. Sie suchten Lutie zwar nicht heim und man hatte gelernt, mit ihnen zu leben, aber es war bekannt und deshalb hatte sich Yukon in das Gedächtnis gerufen, dass sie schon für zahlreiche Todesopfer verantwortlich waren. Sie rissen, wer immer sich aus Lutie in das Unterholz der Wälder wagte. Allen voran prägte ein Riesenwolf namens Hati die Legenden. Es wurde gesagt, dass er sich am Blut der Menschen labte und dass es deshalb das ganze Jahr über schneite. Weil er aus dem Blut der Menschen tosende Flüsse schlug und der Niederschlag dies zu verschleiern versuchte.
Die Müdigkeit holte Yukon ein. Zielgerichtet, ohne den Standort seines Zieles zu kennen, taumelte er durch den Tannenforst, bevor er in seiner aussichtslosen Treibjagd nach dem Rufen von Hati die Hände ballte und mit sich verdrehenden Augen aufschrie. Er schrie sich mit wehdurchzogenem Totengesicht den Gram aus Leib und Seele. Er schrie und brüllte und kreischte in die Nacht, die für ihn in keinem Morgen münden konnte. Er schrie, bis da nichts mehr war und seine Glieder verkrampften. Bis er gegen seinen Willen vor keinem Richter auf die Knie fiel. In den Schnee, wo er leblos liegenblieb.
Aus den Schatten kam ihm da ein riesiger Wolf gestiegen. Das wilde Tier stapfte zur Stätte des jungen Mannes, der allmählich in sein weisses Grab gebettet wurde. Es grollte argwöhnisch aus dem Schlund empor, ehe es um den Mann umherstapfte und sich schliesslich zu ihm legte. Es ummantelte ihn mit seinem wärmenden Fell und er schrie aus seinem Bett auf; schwer atmend und mit strömenden Tränen erwachte Yukon in seinem Schlafzimmer.

edited on 27.12.2018, 13:17 by Der Herr Koi
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05 - Helena03. January 2019

Mit der aufgehenden Sonne war Yukon’s Sonne einmal mehr untergegangen. Denkbar, dass er seine Schuld und Helena's zerpflügtes Angesicht aufgrund der wiederkehrenden Träume nicht vergessen konnte,…

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