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05 - Helena
03. January 2019

Mit der aufgehenden Sonne war Yukon’s Sonne einmal mehr untergegangen. Denkbar, dass er seine Schuld und Helena's zerpflügtes Angesicht aufgrund der wiederkehrenden Träume nicht vergessen konnte, zu denen sich des Tages zusätzliche Fantastereien gesellten. Klar, er hatte sich in einem Brief ordnen wollen und das war ihm mehrheitlich auch gelungen, dennoch war es ein Traum gewesen, aus dem ihm das Zeichen und infolgedessen die Aussicht auf vollständige Ordnung in die Hände gegeben worden war.
So träumte Yukon sich hinfort. Es spielte keinerlei Rolle, welche Stunden ihm auch immer schlagen wollten, er verschloss seine Lider vor seiner unmittelbaren Umgebung ohne eine Spur von Selbstachtung. Nicht nur die Bilder der Vergangenheit waren es, die sich vor seinen Augen mauergleich aufrichteten, auch die sich aus seinem Herzen verzweigende Sehnsucht stellte ihn vor lebhafte Szenerien, diese jedoch konnten unmöglich existieren, in solch hohe Sphären reichten sie. Die Szenerien formierten sich geradezu automatisch aus dem Samen, der durch den Bruch seiner Maske freigelegt worden war. 
Es stellte sich ihm wie von Geisterhand vor, wie sie ihn in seinem Schneckenhausversteck fand und sie sich mit der Türschwelle zwischen sich gegenüberstanden, sich tief in die Augen schauend, aus den seinen quollen die Tränen und aus seinen vor ach so langen Jahren still gelegten Lippen sprach er geflutet von der Dankbarkeit: „Wie kalt diese Wasser sind.“
Und wie sie sich wie schon zig Male zuvor auf der Strasse passierten, ohne sich nacheinander umzuwenden. Der gnadenlose Klammergriff um sein Herz liess ihn nur in sich wenden und verbittert weiter in die nahenden Abendstunden gehen. Dieses Mal jedoch fuhr er umher und ab von den Geistern, die er gerufen hatte. Die Anspannung, die auf ihm lastete, als er ihren Namen ausrief, konnte ihn nicht brechen. Er erduldete die zerreibende Erschütterung, als Helena sich zu ihm umwandte und ihn konsterniert betrachtete.
„Helena...“, wiederholte er ruhiger. „Yukon...“, entgegnete sie, „Was willst du?“ Er biss die Zähne zusammen und ballte seine Hände, sich des tobenden Gefühls in seiner Brust bemächtigend, als er fragte: „...bist du glücklich?“ - „...ja.“ Sie konnte ihm nicht folgen, doch aufrechten Standes proklamierte er: „Das freut mich! Danke für alles und alles Gute!!“ Sie war glücklich. Ihr Lächeln hatte ihn glücklich gemacht. Es war alles, was er jemals gewollt hatte. Er unterstellte sich Helena.
So träumte sich Yukon ohne eine Spur von Selbstachtung hinfort. 

Der 11. Mai hielt Einzug.
Bereits des frühen Morgens erschienen die Götter Lutie zugetan. Der Schneefall war vergleichsweise von milder Natur. Der kristalline Niederschlag war nicht befähigt, zu Genüge Ausmass zu mobilisieren, um die gestrigen Fussstapfen von den weissen Strassen zu tilgen, auf der sich schon die ersten Kinder tummelten, welche die Blumenverkäuferin von der Terrasse ihres Ladens freundlich grüsste. Mit voranrückendem Tagesverlauf fiel sogar ein Sonnenstrahl nach dem anderen durch die zerwühlte Wolkendecke nieder in das Tal, das fiel auch Yukon auf, als er freudig aus dem Fenster sah und sofort erleuchtet wurde.
Der Tag war endlich gekommen, um über die Ufer zu treten und eine Richtung einzuschlagen, in der er sich finden konnte. Am heutigen Tag würde sie ihm auf seinen Brief antworten, alternativ würde er ihr begegnen, es war nicht von Belang, was ihn an die Gestade spülen wollte. Es war nur von Belang, dass er sich erheben und weitergehen konnte. Dass er gehen konnte.
Nach einer ausgiebigen Dusche und reichlich Wasser auf den Mühlen seiner ausschlagenden Vorstellungskraft kleidete er sich in einer Form, der er unter alltäglichen Umständlichkeiten keine allzu nennenswerte Achtung schenkte, und während er im Badezimmer durch das Schlachtfeld seiner schlohweissen Haare kämmte, bereitete es ihm durchaus Mühe, sein Spiegelbild beim Namen zu nennen.
Eilig zog er eine leichte Jacke über, mit der das Hemd darunter ersichtlich verblieb, und als er sich mit nur einem einzigen Ziel vor Augen zur Haustür trieb, stolperte er fast über einen der Kartons im Flur, aber davon liess er sich nicht stoppen, er setzte Fuss über die Schwelle und vor das Posthaus, um dem 11. Mai ausreichend Chancen zu unterbreiten, ihm entgegenzukommen.
Durchzogen von vergnüglicher Erwartung spazierte er unter den Girlanden durch die Gemeinde. Er realisierte zwar, dass er mancherorts überrascht gemustert wurde, aber das sollte ihn keineswegs behindern, im Gegenteil: Er hiess sie innerlich dazu auf, seinem unbeugsamen Gang zu folgen. *Schaut mich an!!*, forderte er sie auf, sie allesamt überstrahlend, *Schaut, denn bald werde ich euch hinter mich gelassen haben!!*

edited on 03.01.2019, 19:32 by Der Herr Koi
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Walked paths
05 - 0210. January 2019

Zu Mittag kehrte er zum Posthaus zurück, um seine Briefe durchzugehen. Zügig machte er sie auf, aber sie hatte ihm nicht geschrieben, also machte er sich wieder auf, um weiter durch die Strassen…

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