Story-Block

Go to the prequel of this Story Block
IBDEI
18. June 2019

Irgendwo in Zürich sass Sebastian in einem von grellen Neonröhren beleuchteten Zimmer. Die Wände waren karg, fensterlos und ein grosser Spiegel prangte rechts von ihm. Wenn er eins und eins richtig zusammen zählte, standen dahinter wohl weitere Leute. Der Forscher seufzte einmal tief, als er sich erneut seiner Situation bewusst wurde. Dann trat auch schon der altbekannte Herr Schmidt in den Raum und setzte sich Sebastian gegenüber.

„Herr Berger, Sie haben mich ganz schön an der Nase herumgeführt“, begann er das Verhör. – „Ich habe nichts dergleich-“, begann Sebastian, doch sein Gegenüber gebot ihm Einhalt.

„Es muss nicht diskutiert werden. Nicht zuletzt dank ihren Forschungsergebnissen war es uns möglich, eine umfassende Analyse der aktuellen Situation anzufertigen. Die Auswertung der daraus resultierenden Daten hat uns klar gemacht, dass ihre Forschung die Ursache für das Vermehrte Auftreten von DEI war und ist.“

„Ich…“, stotterte Sebastian und ging seine bisherigen Forschungen im Kopf durch.

„Ja, sie“, unterstrich Schmidt, „Mit ihren Experimenten haben sie anscheinend eine unsichtbare Mauer zum Bröckeln gebracht, die gewisse Menschen von ihrer Veranlagung getrennt hatte. Wie Schockwellen haben sich ihre Experimente über den Erdball ausgebreitet.“ Der selbsternannte Regierungsvertreter liess trotz der offensichtlichen Aufgewühltheit seines Gegenübers keine Pause zu: „Uns geht es in diesem Gespräch aber nicht darum, wie es geschehen ist, sondern warum. Was sind ihre Pläne, Herr Berger?“

„Mein Ziel?“, stammelte der Angesprochene, der noch immer sichtlich überfordert mit dieser Anschuldigung war.

„Korrekt. Was war das Ziel ihrer Forschung an der Dunklen Energie?“

Sebastian liess die Frage in seinem Kopf hallen, als ihn plötzlich etwas packte. Ein Gedanke. Nein, eine Überzeugung. „Ich bin Wissenschaftler! Mein Ziel war, zu lernen. Zu verstehen. Genau, ich wollte die Dunkle Energie und die damit einhergehenden Fähigkeiten besser verstehen.“

„Und als sie bemerkt haben, was sie da ausgelöst hatten, nahmen sie es einfach in Kauf?“, fragte Schmidt kritisch.

„Nein!“, fuhr Sebastian auf. „Ich wusste nicht, dass ich es direkt war. Ich dachte, ich wäre Beobachter“, er stockte kurz und kehrte wieder in sich, „nicht Auslöser.“

Schmidt verschränkte die Arme und lehnte zurück in seinem Stuhl: „Trotzdem haben sie uns sabotiert. Zumindest, als Sie bemerkt hatten, zu was sie fähig sind. Warum haben sie uns ihre Verbindung zur Dunklen Energie verschwiegen?“

Sebastian war völlig in sich gekehrt und murmelte nur: „Ich hatte Angst. Angst, dass ich alles was ich bisher erarbeitet habe verliere. Angst, dass man mich nicht versteht. Dass man mich für verrückt hält.“ Mit diesen Worten realisierte er, dass all das ausserhalb dieses Raumes auf ihn warten könnte. Er hatte noch nie echte Probleme mit dem Gesetz gehabt.

Schmidt schnaubte und presste seine Lippen zusammen. „Das ist ihre Sorge? Wissen Sie, was Sie mit der Freisetzung dieser Kraft angerichtet haben? Der Weltfrieden ist in Gefahr!“

Sebastian blickte erschrocken empor zu Schmidt, der inzwischen aufgestanden war. Erst jetzt wurde es ihm wirklich bewusst. Er hatte bereits realisiert, dass er nicht der einzige war. Aber nun erinnerte er sich wieder an die vertraulichen Dokumente, die ihm Schmidt zur Lektüre gegeben hatte. Die berechneten Risiken der Dunklen Energie. Was mit ihnen angerichtet werden konnte.

„Können sie sich vorstellen, was für Fälle inzwischen auf meinem Tisch aufgeschlagen sind?“

„Ich will helfen“, brach es aus Sebastian heraus, worauf Schmidt stutzte. „Sie?“

„Ja, Ich will die Menschen mit Fähigkeiten lokalisieren und sie einweisen beziehungsweise helfen diese in ihre Schranken zu weisen, falls sie über die Stränge schlagen!“

Schmidt lachte auf. „Und warum sollten wir auf ihre Hilfe eingehen? Sie waren es schliesslich, der uns diesen Schlamassel eingebrockt hat!“

„Und ich bin es, der uns hier wieder rausholen kann“, meinte der Forscher bestimmt und stand nun auch, „Sie haben selbst gesehen, welche Gerätschaften sie mit meinen Forschungsergebnissen bauen konnten. Stellen Sie sich vor zu was wir fähig werden, wenn wir aktiv zusammenarbeiten.“

Herr Schmidt liess das gesagte etwas sacken und blickte in den Spiegel.

Sebastian liess jedoch nicht locker: „Hören Sie. Ich will meinen Fehler wieder gut machen. Ausserdem sehe ich viel Potential in der Dunklen Energie. Am Schluss ist es doch so wie jede Erkenntnis, die sowohl zum Wohle der Menschheit wie auch als Waffe eingesetzt werden kann. Bitte lassen sie mich dabei helfen, dass niemand zu Schaden kommt.“

Schmidt nickte und meinte nur knapp: „Einen Moment.“ Woraufhin er das Zimmer verliess und Sebastian in seiner Situation zurückliess.

Es vergingen 15 Minuten, die in diesem kargen Raum wie eine Ewigkeit wirkten. Herr Schmidt kam zurück, begleitet von zwei weiteren Anzugträgerinnen. Anscheinend hatte Sebastian die richtigen Antworten gegeben. Ihm wurde Vertrauen geschenkt. Auch wenn dies einher ging mit einer sehr genauen Überwachung seiner weiteren Forschung.

 

Dank der Unterstützung dieser Regierungsorganisationen und seiner guten Resultate wurde aus seinem Kompetenzzentrum im Laufe der nächsten Jahre eine Organisation mit ihm als Leiter. Trotz oder eben wegen seiner besonderen Fähigkeiten.

DasInternational Bureau for Dark Energy Individuals” (kurz: IBDEI) wurde gegründet und hatte sich die Entdeckung und Massregelung von „Dunkle Energie Individuen“ (DEI) zum Ziel gemacht. Und um die Öffentlichkeit zu schonen und keine Unruhe zu stiften, beschloss man diese Institution geheim zu halten.

edited on 18.06.2019, 10:13 by Ashielf
Collected Steps:
Step
0
Add to favorites
0

Comments