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Feuerprobe
21. July 2019

2010, Saha-gu Distrikt von Busan, Südkorea.
Das Gamcheon Culture Village stand in Flammen. Das Dorf befand sich in mehrerer Hinsicht in arger Bedrängnis. Die bunten Häuser hier waren schliesslich nicht nur eine schöne Touristen-Attraktion, sondern Heimat und Lebensgrundlage für viele Bewohner.

Schnell fand die Katastrophe auch in verschiedenen News-Tickern einen Platz. Denn das Feuer schien nicht normal zu agieren. Es griff nicht bloss benachbarte Häuser an, sondern presste sich in Schüben durch die Gassen und schlug wild um sich.

 

Die Eigenheiten dieses Dorfbrands schrien dementsprechend auch nach dem IBDEI. Rasch wurden sie mit einem Jet ins Land gebracht und mit einem Helikopter über das Dorf geflogen. Sebastian selbst war beteiligt an diesem Feldeinsatz. Denn auch wenn er eigentlich der Leiter des IBDEI war, so war er ebenso der Einzige, der in diesem Chaos die Quelle finden konnte.
Der Pilot konnte nicht zu nahe an den Flammenherd fliegen. Dementsprechend musste Sebastian seinen ganzen Fokus auf die geringste Unstimmigkeit richten. Er konnte zwar Signaturen der Dunklen Energie sehen. Diese in einem Sturm aus Feuer, Asche und Rauch zu erspähen, lag aber in einer komplett neuen Liga.

"Dort!", rief er plötzlich aus und zeigte auf eine Stelle, die relativ zentral im Höllenfeuer gelegen war. Der Helikopter fand eine etwas entferntere Stelle in entgegengesetzter Windrichtung, wo ein Abseilen möglich war. Sebastian konnte kaum mit dem trainierten Vierer-Trupp mithalten, aber sie brauchten ihn. Das beste Training konnte sie nicht auf etwas vollkommen Fremdes vorbereiten.

 

Mit feuerfesten Anzügen und Masken sondierten sie die Strassen, Sebastian im Mittelpunkt. Er wies ihnen den Weg. Auch wenn ihm die Konzentration zwischen den verbrannten Menschenkörpern schwerfiel. Die Hitze kam ihm unerträglich vor, so als würde Luzifer persönlich hinter der nächsten Ecke auf ihn warten.

Doch das Ende war bald in Sicht. Auf einem Grundstück, dessen Dach nur noch notdürftig von den verbliebenen Trägern gehalten wurde, sass jemand. "Ziel lokalisiert", erschallte es in Sebastians Kopfhörer und Waffen schnellten in die Höhe.

"Wartet, wartet!", schrie der Forscher und bat um einen Moment. Die Aura war klar, über allen Zweifel erhaben. Es steckte tatsächlich ein DEI hinter dieser Katastrophe. Doch im Gegensatz zum Eingreiftrupp sah er mehr als nur ein Ziel. Er sah einen etwa 16 Jahre alten Jungen, der komplett mit der Situation überfordert war und die Kontrolle verloren hatte.

"Mit jeder verstrichenen Minute…", begann der Kommandant des Trupps.
"Bitte", betonte Sebastian, "Geben Sie ihm eine Chance. Sehen sie denn nicht, dass er noch ein Kind ist?!" Der Forscher schritt voran. Eigentlich war es die nächste Stufe seiner Entdeckung. Doch freuen konnte er sich in dieser Situation nicht.

 

"H- Hallo?", begann er zögerlich auf Englisch. Der Jugendliche vor ihm reagierte nicht. Kauerte weiter am Boden und hielt sich mit beiden Händen den Kopf. Sebastian schluckte und versuchte laut, deutlich und vor allem ruhig zu reden. Was ihm das knarrende Holz und die sengende Hitze um ihn herum nicht einfach machten.

"Mein Name ist Sebastian Berger. Ich bin so wie Du. Ich kann Dir helfen, Deine Kräfte zu kontrollieren!" Der Junge liess von seinem Kopf ab und stützte sich mit beiden Händen auf dem Boden. Gequält blickte er zum stehenden Neuankömmling empor. "Bitte", wimmerte er, "Mach, das es aufhört!"

"Wie ist Dein Name?" – "Hiko."

Nachdenklich sondierte Sebastian die Umgebung. Er sah, wie der Junge praktisch einen Sog auf die Dunkle Energie um ihn herum auswirkte. Hiko war praktisch ein Umwandler, der daraus Feuer erschuf. Und der Strom an Dunkler Energie schien nicht abzureissen. Sebastian musste ihn ablenken, ihn aus seiner Abwärtsspirale befreien.

"Rosa Elefanten!", rief er ihm entgegen und ohrfeigte sich innerlich für diese dumme Idee. "Was?", fragte der Feuerbeschwörer verwirrt und blickte erneut auf.

Es schien zu funktionieren. Die Wellen an Energie, die Sebastian sah, begannen unruhig zu werden.

"Stell es Dir vor! Giraffen auf Schlittschuhen! Stepptanzende Hamster!"

Der Vierer-Trupp hinter ihm wusste nicht genau, wie sie damit umzugehen hatten. "Ich glaube, der Professor hat zu heiss", meinte einer. Während der Kommandant nur knapp vermerkte: "Schussbereit halten."

"Einradfahrende Füchse! Jonglierende Affen! Fliegende Pinguine!"

Das Chaos im Kopf des Jungen war perfekt. Und genauso zerstreut wie Hiko war, verflüchtigten sich auch die gefestigten Ströme an Dunkler Energie. Die Feuer brannten zwar weiter, aber sie wurden von ihm nicht mehr angeheizt.

 

Als alles unter Kontrolle war, wurde Hiko ins IBDEI gebracht. Es stellte sich heraus, dass am Abend der Katastrophe seine Mutter wegen einer schweren Krankheit in seinen Armen gestorben war. Sie war der letzte Verbleib seiner Familie gewesen, die durch einen Autounfall bereits Vater und Tochter verloren hatte.
Und er konnte sie nicht retten, da die Krankenversicherung aufgrund der Unheilbarkeit der Krankheit irgendwann aufgehört hatte, die teuren Medikamente zu zahlen. Vielleicht war es eine rationale Entscheidung, sie von ihrem Leid zu erlösen. Aber in jenem Moment brach für ihn eine Welt zusammen.

 

Hiko Lashiri war einer der Ersten, die vom IBDEI rekrutiert wurden. Und es verlief sehr gut. Indem sie DEI in ihre Dienste spannten, konnten sie so hoch-effiziente Eingreiftrupps bilden.

Sebastian war noch lange mitgenommen von diesem Einsatz. Das war bisher der schlimmste Ausbruch einer DEI-Fähigkeit gewesen. Und alles war auf sein Wirken zurückzuführen. Hätte er diese Büchse der Pandora nicht geöffnet, so wären heute einige Menschen noch am Leben.

edited on 21.07.2019, 14:51 by Ashielf
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Walked paths
Spass vorbei28. August 2019

4 Jahre später.

Hiko hatte sich eine Existenz aufgebaut. Seit seiner Entdeckung hatte er gelernt, mit seinen Fähigkeiten umzugehen und war ein wertvolles Mitglied der IBDEI geworden. Nicht…

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