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Spass vorbei
28. August 2019

4 Jahre später.

Hiko hatte sich eine Existenz aufgebaut. Seit seiner Entdeckung hatte er gelernt, mit seinen Fähigkeiten umzugehen und war ein wertvolles Mitglied der IBDEI geworden. Nicht nur hatte er einige Katastrophen verhindert, nein. In Zusammenarbeit mit Sebastian hatte er bereits mehrere DEI auf ihre Seite gezogen.

Er wollte gerade zu seinem Zimmer im Stützpunkt der IBDEI gehen, als er eine Nachricht auf seinem Kommunikator erhielt.

[ NEUER DEI. RASCHER ZUGRIFF BENÖTIGT. GEFAHRENSTUFE: 1]

„1?!“, stiess er überrascht aus und eilte dann zur Zentrale, wo Sebastian bereits auf ihn wartete.

„Ah, immer in Bereitschaft, wie ich sehe“, lobte Sebastian und rückte seine Brille zurecht.

„Was wissen wir?“, sprang Hiko direkt zum Herz der Angelegenheit.

Sebastian richtete seinen Blick zum riesigen Bildschirm vor ihnen, der verschiedenartige Grafiken und Informationen anzeigte. „Es gibt eine unnatürliche Häufung von nicht aufgeklärten Morden in und um Los Angeles. Nachdem wir unsere Radare positioniert hatten, konnten wir meist Signaturen der Dunklen Energie erkennen.“

„Die Person nutzt ihre Kräfte also dafür. Ist anhand der Morde die Fähigkeit ersichtlich? Lässt sich aus den Opfern ein Beuteschema schliessen?“

„Nein und ja. Die Opfer wurden auf unterschiedlichste Weise umgebracht. Stumpfe Waffen, Messer und andere Klingen, Fahrzeuge et cetera. Wenn die Todeszeitpunkte der Opfer aus den Polizeiberichten mit unseren Messungen der Dunklen Energie übereinstimmen, dann hat unsere Zielperson ihre Fähigkeit manchmal vor und praktisch immer nach der Tat benutzt. Die Opfer sind meist einflussreiche Individuen in der Unterhaltungs-Industrie. Grösstenteils Männer.“

Hiko kehrte kurz in sich. „Eine Fähigkeit, um nach dem Mord einfacher zu verschwinden?“

Sebastian nickte: „Plausibel.“

„Gut, dann lass uns noch einige Nachforschungen machen. Kein Interesse, plötzlich gegen einen unsichtbaren Serienmörder zu kämpfen.“

 

 

Leya war frustriert. Über die Jahre hatte sie schon unzählige Identitäten angenommen und Leben verändert. Doch ihr privater Krieg schien zwecklos.

„Noch einen Mojito, bitte“, murrte sie über die Theke. Der Barkeeper nickte ihr zu und brachte ihr innert Kürze Nachschub. Da gerade nicht so viel los war, lehnte er sich danach wieder zurück und glotzte in den Fernseher, der an der gegenüberliegenden Wand angebracht war. Sie brachten gerade die Meldung von einem neuen Mord an einem erfolgreichen Produzenten.

Er lachte verhalten. „Wundert mich nicht, dass jemand den aus dem Weg haben wollte“, murmelte er halblaut vor sich hin.

Leya drehte sich nicht um. Sie wusste um wen es ging. Und auch wie genau er gestorben war.

„Ist einer weg, kommt der nächste nach“, meinte sie knapp.

„Wie?“, erkundigte sich der Barkeeper, etwas verdutzt.

Leya richtete sich auf und blickte ihm direkt in die Augen. „Hat er es verdient? Ja, klar. Aber es wird nicht lange dauern, bis der nächste Abschaum seinen Platz einnehmen wird.“ Sie verwarf die Hände und sackte dann wieder etwas zusammen.

Nachdenklich blickte der Barkeeper abwechselnd zu ihr und zur laufenden Nachrichtensendung.

„Nicht  alle sind schlecht, weisst Du…“, meinte er etwas verhalten.

Leya hob die Hand, stürzte den Mojito ihre Kehle hinab, knallte das Geld auf den Tisch und stand auf. „Passt so.“

Verdutzt liess sie ihn zurück und ging wieder nach Hause.

Wobei zu Hause ein dehnbarer Begriff war. So oft wie sie schon ihre vier Wände gewechselt hatte. Als sie die Tür aufschloss, begrüsste sie freudig ein brauner Cocker Spaniel. An seinem Halsband baumelte ein silbernes, rundes Täfelchen mit der Aufschrift „John Doe“. Lächelnd strich sie ihm über den Kopf, bevor sie die Tür hinter sich schloss.

Ihre selbst auferlegte Mission zwang sie zu Einsamkeit. Nur so war ihr Geheimnis wirklich geschützt. Und John war ein guter Gefährte. Er konnte niemandem etwas sagen und war mit ein paar Streicheleinheiten, gutem Futter und etwas Auslauf bereits hervorragend bedient. Sie ging rüber zu ihrem Balkon und starrte in die Stadt. Versuchte Herrin darüber zu werden, was als nächste zu tun war.

 

Leya hatte es sich nach einiger Zeit auf dem Sofa bequem gemacht und war mitten in einem Serien-Marathon, als es an der Tür klingelte. Genervt drehte sie den Fernseher etwas lauter und machte keine Anstalten aufzustehen. John hob nur müde den Kopf, döste aber weiter neben seiner Herrin.

Als die Klingel zum dritten Mal aufheulte, warf sie die Decke von sich weg und stapfte genervt zur Tür. John hüpfte kurz auf, machte es sich dann aber wieder auf dem Sofa gemütlich.

„Was ist?!“, keifte Leya während sie gleichzeitig die Tür aufriss. Niemand da. Kurz blickte sie weiter hinaus, aber es war weit und breit keiner zu sehen. Sie seufzte und schlug den Hauseingang wieder zu.

Als sie zurück ins Wohnzimmer kam, blieb ihr das Herz stehen. Jemand sass auf ihrem Sofa. „Wo ist mein Hund?“, forderte sie als erstes nach Gewissheit, nachdem sie sich etwas gefasst hatte.

„In Sicherheit“, meinte Hiko ruhig. Er wirkte ziemlich salopp mit seinem T-Shirt, Jeans und einer Lederjacke. Sein kantiges Gesicht wurde durch eine Sonnenbrille unterbrochen. Die schwarzen, fast schulterlangen Haare waren bis zur Perfektion gestylt.

Leya stolperte einige Schritte zurück und wollte in die Küche eilen, doch der Korridor hinter ihr war plötzlich mit Flammen gefüllt. Jeder Ausgang, den sie aus dem Wohnzimmer nehmen wollte, wurde ad hoc von Flammen versperrt.

„Leya, setz Dich doch bitte“, sprach Hiko. Er hatte seine Sonnenbrille inzwischen abgezogen und durchbohrte sie mit seinen bernsteinfarbenen Augen.

„Wer, wer zum Teufel bist Du?!“, stammelte sie. Es lag für sie schon eine Ewigkeit zurück, dass ihr jemand das Wasser reichen konnte. Und dieser Fremde schien über sehr zerstörerische Fähigkeiten zu verfügen.

„Mein Name ist nicht relevant und ebenso wenig die Organisation, in deren Namen ich handle. Wichtig ist nur, dass wir Dir und Deinem Treiben auf die Schliche gekommen sind“, meinte Hiko kühl und kramte etwas aus seiner Jackentasche. Leya zuckte kurz zusammen, als er ein silbernes Objekt hervor zog. Doch es war keine Waffe. Es war anscheinend ein Band aus irgendeinem merkwürdigen Material.

„Das hier“, kündete er an und hob die Fussfessel, „ist Deine einzige Möglichkeit weiterhin frei zu sein.“

Skeptisch blickte sie das Ding an: „Was willst Du von mir?“

„Ich will:
Erstens, dass Du keine Menschen mehr tötest. Ganz wichtig.
Zweitens: Dass Du diese Fussfessel anlegst, damit wir uns nicht nur auf Dein Wort verlassen müssen.
Drittens: Dass Du Deine Fähigkeiten nicht mehr dazu missbrauchst zu Lügen, Betrügen und Dir einen unfairen Vorteil zu erschaffen.“

Ihre Gedanken rasten in ihrem Kopf: „Und wenn ich nicht mitspiele?“ Sie konnte kaum den Satz ausformulieren, als alle Wände synchron Feuer fingen. Hiko stand auf und unterstrich mit seinen 1.85m und seinem muskulösem Körper seine bedrohliche Aura: „Dann zwingst Du uns zu handeln und nicht nur zu warnen. Verstanden?“

„Okay, okay, okay!“, schrie sie, worauf das Feuer wieder verschwand. Die Wohnung sah inzwischen arg mitgenommen aus. Sämtliche Böden, Wände und Möbel waren angekokelt.

„Gut!“, meinte Hiko. Er jonglierte die Fussfessel noch einmal in der Hand und warf sie dann Leya zu. Zögerlich legte sie das Ding an ihr linkes Fussgelenk.

„Sehr schön. Dann auf eine gute Zusammenarbeit“, meinte Hiko zufrieden und fügte an, „ich würde deine Feuermelder überprüfen.“ Und mit diesen Worten verschwand er durch die Schiebetür in den Garten, dessen Schloss er einfach aufgeschmolzen hatte. Von eben dieser stürzte John hinein, und warf sich seiner Besitzerin zu Füssen.

‚Mein Leben ist vorbei‘, dachte Leya sich. Ab jetzt stand sie unter konstanter Überwachung. Sie ging auf die Knie und streichelte gedankenabwesend John, der sichtlich froh darüber schien, dass sie unversehrt war.

bearbeitet am 28.08.2019, 8:33 von Ashielf
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Beschrittene Pfade
Die Wunder-Botanikerin24. September 2019

Die Arbeit des IBDEI schien zu wirken. Hikos Ausbruch in Südkorea im Jahr 2010 war die letzte grosse Katastrophe gewesen. Auch acht Jahre nach diesem Vorfall war das Wissen um die DEI nur einer…

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